Ich hab' mal eine Frage - will ja schließlich dazulernen:
Gestern abend hab' ich mir "Abenteuer MA" angeschaut. Der Knappe musste im Rahmen seiner Ausbildung auf's Pferd und gegen den Roland antreten. Er ist mit Steigbügeln aufgestiegen, die dann hinterher entfernt wurden.
Jetzt bin ich ja keine Reiterin, kann mir aber vorstellen, dass man im Anritt auf den Roland mehr Halt auf dem Pferd hat, wenn die Füße in den Steigbügeln stecken, als wenn die Beine lose in der Gegend rumbaumeln. War die Vorgehensweise tatsächlich authentisch? ?(
Ich weiß zumindest, daß ein heutiger Sattel anders aufgebaut ist als ein mittelalterlicher, und zwar liegen glaube ich bei letzterem beim Reiten wohl die Füße weiter vorne. Insofern wäre zu dieser Zeit ein Steigbügel tatsächlich eine reine Aufsteighilfe gewesen, beim Reiten hätte er durch das Rumbaumeln eher gestört.
Aber warten wir mal, ob jemand "harte Fakten" zu diesem Thema hat.
Nein, definitiv meines WIssens ist der STeigbügel die Grundlage des Lanzenstosses (und damit des Ritterkampfes) und damit beim Reiten ebenfalls nötig.
Da hätte ich auch vorher drauf kommen können: In der Manesse sieht man Steigbügel bei jedem Reiter!
Also völlige Zustimmung, Ludwig.
@Marion: Also wurde entweder in dem Fernsehbeitrag Blödsinn erzählt, oder was gezeigt wurde war eine "besondere" Situation, in der der Knappe unter verschärften Bedingungen reiten musste.
Danke schön - ihr könnt euch das Ganze ja im Winterprogramm ansehen und dann entscheiden - ich fand den Knappen ohne Steigbügel ganz schön lustig, weil die Beine so schlaksig rumbaumelten.
nun, es kommt drauf an wie man sich anstellt, wir sind früher auch ohne Steigbügel geritten
http://cgi.ebay.de/orig-antiker-STEIGBUGEL-MITTELALTER-Barbarossa-Typ_W0QQitemZ6638452448QQihZ012QQcategoryZ19454QQrdZ1QQcmdZViewItem
habe ich bei E-Bay entdeckt, vielleicht trägt es positiv bei
Schöner Artikel. Aber dieses Reiterstandbild ist - m.E. - nicht älter als max. 200 Jahre... Wir sollten Bildquellen wie den Bamberger Reiter befragen...
bin eben nur darüber gestolpert und erinnerte mich dunkel an einen gleichnamigen Thread...danke fürs Raussuchen *Spinnweben von Schulter zieh
Kein Problem. Kanns auf dem mir vorliegenden Bild des Bamberger Reiters jetzt auch nicht sehen.
Habe einen interessanten Artikel hierzu im Buch "Kriege im Mittelalter" gefunden:
"Wie Lynn White jr. in "Die mittelalterliche Technik und der Wandel der Gesellschaft" (München 1968) zeigt, veränderte die Übernahme dieser einfachen Neuerung - ein stabiler Fußsteg aus Holz, Seil oder Metall am Ende eines Lederriemens, der vom Sattel herabhängt - die fränkische Militärorganisation und Taktik völlig: Die schwere Kavallerie spielte jetzt eine viel grössere Rolle. Ganz ohne Zweifel war die Einführung des Steigbügels eine sehr wichtige Innovation für den militärischen Einsatz des Pferdes.
Vor der Einführung des Steigbügels musste der Reiter dem Pferd seine Schenkel in die Flanken pressen, um im Sattel zu bleiben und es zu lenken. Das beschränkte sowohl seine Reitkünste wie auch die Wucht seiner Hiebe und Stösse vom Pferd herab.
Der Steigbügel stabilisierte den Sitz des Reiters und eröffnete seiner Kampftaktik ganz neue Dimensionen. Ohne Steigbügel war das Pferd wenig mehr als ein Transportmittel, eine Plattform, von der aus man mit Lanze oder Schwert zustechen konnte oder eine mobile Abschussrampe für Pfeile. Wenn ein Ritter früher einen Angriff gegen einen Feind ritt, dann konnte die Wucht seines Hiebes oder Stichs leicht auch ihn aus dem Sattel heben. Der Steigbügel war in der Antike nicht bekannt, obwohl er in China, Indien und Korea im frühen MA bereits verbreitet war. Seltsamerweise erlangte der Steigbügel in Europa und dem Nahen Osten erst im 7. oder sogar im 8. Jahrhundert eine gewisse Verbreitung. damals tauchte er erstmals in Persien auf und kam von dort aus in andere muslimische Länder.
Aus dem Nahen Osten gelangte der Steigbügel schnell nach Byzanz und dann zu den Franken. Diese Entwicklung kann White mit archäologischen und linguistischen Belegen, sowie einigen bildlichen Darstellungen untermauern. Alles deutet darauf hin, dass die Franken im frühen 8. Jahrhundert den Steigbügel einführten. Gleichzeitig änderten sich auch die Waffen der Franken - sie legten ihre Streitäxte und die Speere mit Widerhaken, reine Infanteriewaffen also, ab und griffen zum Langschwert und schwereren und längeren Flügellanzen, die hinter der Spitze zwei quer zum Schaft stehende Zapfen hatten. Sie verhinderten, dass die Waffe zu tief eindrang, damit sie nicht stecken blieb.
So beeindruckend der Steigbügel als Erfindung und als notwendiger bestandteil der späteren berittenen Kriegsführung auch sein mochte - die Annahme, dass die karolingische Militärreform durch ihn ausgelöst worden sein könnte, ist auf harte Kritik gestossen. Vor allem wird bemängelt, dass konkrete Beweise für Whites Annahmen fehlen. Die archäologischen Belege könne man nach meinung der Kritiker aufgrund der geringen Zahl der Funde, der Datierungsschwierigkeiten und der Tatsache, dass Gräber keine Rückschlüsse auf fränkische Sitten und Gebräuche ermöglichten, nicht zur Bestätigung der Datierung oder der Bedeutung von Steigbügeln heranziehen. Auch bildliche darstellungen und linguistische Quellen seien nicht aussagekräftig. Allerdings bieten auch die Kritiker der Steigbügel-Hypothese keine andere Erklärung für die Veränderungen an. Es könnte auch eine einfache taktische Entscheidung Karl Martells ohne jeden Einfluss von aussen gewesen sein?
Fest steht jedoch, dass der Steigbügel zusammen mit anderen technischen Innovationen die Möglichkeiten des Reiterkampfes veränderte und den "Schockangriff zu Pferde" (White) ermöglichte. Zu diesen Neuerungen gehört auch das genagelte Hufeisen, das um 890 n. Ch. eingeführt wurde.